Toll-Collect-Mautsätze: die CO₂-Klassen-Tabelle pro Kilometer
Aktualisiert Juni 2026
Dies ist die vollständige Referenztabelle der Toll-Collect-Mautsätze pro Kilometer, gültig seit dem 1. Juli 2024 — aufgeschlüsselt nach CO₂-Emissionsklasse, Gewichtsklasse und Achszahl. Wer wissen will, was genau ein bestimmtes Fahrzeug pro Kilometer auf deutschen Bundesfernstraßen zahlt und wie sich der CO₂-Teilsatz zusammensetzt, findet hier die Zahlen Zeile für Zeile.
Den allgemeinen Überblick zur deutschen Lkw-Maut — Mautpflicht, Registrierung, Befreiungen und Bußgelder — behandeln wir separat im Leitfaden zur Lkw-Maut in Deutschland. Dieser Beitrag konzentriert sich auf eines: die genauen Mautsätze und ihre Berechnung. Alle Zahlen stammen direkt von Toll Collect und dem Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM).
Die vier Teilsätze des Mautsatzes
Der gesamte Mautsatz pro Kilometer ist kein einzelner Wert, sondern die Summe aus vier Teilsätzen, die jeweils nach einem anderen Fahrzeugmerkmal bemessen werden. Wer die Tabelle weiter unten lesen will, sollte diese vier Bestandteile kennen — denn sie erklären, warum zwei Lkw auf derselben Strecke unterschiedlich viel zahlen.
Der CO₂-Teilsatz ist der Bestandteil, der die Maut grundlegend verändert hat. Bis Dezember 2023 setzte sich die Maut aus Infrastruktur, Luftverschmutzung und Lärm zusammen. Mit dem CO₂-Teilsatz kommt ein vierter Posten hinzu, der bei einem typischen Sattelzug Euro 6 in CO₂-Klasse 1 allein rund 15,8 Cent pro Kilometer beiträgt — fast so viel wie der Infrastruktur-Teilsatz selbst. Das Dritte Mautänderungsgesetz aus dem Jahr 2023 übersetzte den EU-CO₂-Preis von 200 € pro Tonne in Mauttarif-Aufschläge je Kilometer.
Mautsätze-Tabelle: CO₂-Klasse 1 (pro Kilometer)
Die folgenden Tariftabellen sind von Toll Collect veröffentlicht und seit dem 1. Juli 2024 in Kraft. Die erste Tabelle zeigt CO₂-Klasse 1 — die Standard-Einstufung jedes Fahrzeugs — über alle sechs Gewichts- und Achsklassen und alle sieben Schadstoffklassen. Die zweite zeigt Euro-6-Fahrzeuge über die besseren CO₂-Klassen (2, 3 und 4); für diese CO₂-Stufen veröffentlicht Toll Collect nur die Euro-6-Zeilen.
Wenn ein nach dem 1. Juli 2019 erstzugelassenes Fahrzeug für CO₂-Klasse 2, 3 oder 4 in Frage kommt, gelten die niedrigeren Sätze aus der zweiten Tabelle. Standardmäßig erfolgt die Einstufung in Klasse 1 — die Höherstufung muss über das Toll-Collect-Kundenportal mit entsprechenden Belegen beantragt werden.
Mautsätze-Tabelle: CO₂-Klassen 2, 3, 4 (Euro 6)
Die Spanne im Tarifgefüge ist mehr als vierfach: Ein Sattelzug mit Euro 0 oder Euro 1, über 18 Tonnen und ab 5 Achsen, in CO₂-Klasse 1 zahlt 51,6 Cent pro Kilometer — den höchsten Satz. Ein Euro-6-Fahrzeug in der leichtesten Klasse (3,5–7,49 t) in CO₂-Klasse 4 zahlt 11,4 Cent pro Kilometer — den niedrigsten. Beide fahren über dasselbe Mautnetz.
Wie die richtige Zeile bestimmt wird: Gewicht, Achsen und die F1/F2-Frage
Damit Sie in der Tabelle die richtige Zeile treffen, müssen zwei Angaben stimmen: die Gewichtsklasse und die Achszahl. Seit dem 1. Dezember 2023 ist für die Gewichtsklasse die technisch zulässige Gesamtmasse (tzGm) ausschlaggebend, die in der Zulassungsbescheinigung Teil I unter Ziffer F.1 eingetragen ist. Sie hat das vorher maßgebliche zulässige Gesamtgewicht (zGG) aus Ziffer F.2 abgelöst. Beide Werte sind oft identisch, weichen aber häufig genug voneinander ab, dass beim Inkrafttreten der Änderung einige Fahrzeuge über Nacht in eine höhere — und damit teurere — Gewichtsklasse gerutscht sind.
Bei Fahrzeugkombinationen werden die F1-Gewichte von Zugmaschine und Anhänger zusammengerechnet. Dasselbe gilt für die Achszahl: Tandemachsen zählen als zwei, Tridemachsen als drei, Liftachsen werden mitgezählt — unabhängig davon, ob sie während der Fahrt am Boden sind oder hochgefahren wurden. Wer davon ausgeht, eine angehobene Liftachse spare eine Tarifklasse, irrt sich.
CO₂-Emissionsklassen: hier liegt das Sparpotenzial
Jedes Fahrzeug wird von Toll Collect zunächst in CO₂-Klasse 1 eingeordnet — die teuerste. Fahrzeuge mit Erstzulassung vor dem 1. Juli 2019 können nicht in eine bessere Klasse eingestuft werden — rechtlich nicht möglich. Für Fahrzeuge mit Erstzulassung ab diesem Datum muss die bessere Klasse über das Toll-Collect-Kundenportal beantragt werden, gestützt auf Unterlagen: Zulassungsbescheinigung, Kundeninformationsdatei (CIF), Übereinstimmungsbescheinigung (CoC) oder Einzelgenehmigungsbogen.
Das Klassensystem reicht von 1 (am wenigsten effizient) bis 4 (effizienteste Diesel-/Gas-Fahrzeuge), zuzüglich Klasse 5 für emissionsfreie Fahrzeuge. Emissionsfreie Lkw sind bis zum 30. Juni 2031 von der Maut befreit (Viertes Mautänderungsgesetz, in Kraft seit 1. Dezember 2025); Details dazu im Leitfaden zur Lkw-Maut in Deutschland. Der Unterschied zwischen den Diesel-Klassen schlägt deutlich durch: Für einen schweren Sattelzug sinkt der Satz von 34,8 Cent in Klasse 1 auf 26,9 Cent in Klasse 4 — das sind 7,9 Cent gesparte Maut pro Kilometer, bei 100.000 km Jahreslaufleistung rund 7.900 € pro Fahrzeug und Jahr. Die meisten Flotten, die Fahrzeuge mit Erstzulassung nach Juli 2019 betreiben, haben die Neueinstufung nicht durchgeführt — und zahlen die Lücke in der Papierlage Monat für Monat.
Die Referenzwerte, die über die Einstufung entscheiden, sinken jährlich. Bis 2026 beträgt die Absenkung 2,5 % pro Jahr, ab 2027 sind es 3 % pro Jahr. Ein Fahrzeug, das heute noch in CO₂-Klasse 2 fällt, kann in zwei oder drei Jahren ohne irgendeine Änderung am Fahrzeug selbst in Klasse 1 zurückrutschen — die Hürde verschiebt sich. Bei Neuanschaffungen muss diese Entwicklung mitgedacht werden, nicht nur die heutige Einstufung.
Was die Sätze für eine reale Flotte bedeuten
Mautkosten skalieren linear mit den gefahrenen Kilometern, aber die absoluten Beträge werden in konkreten Flottengrößen greifbarer. Drei typische deutsche Speditionsbetriebe, jeweils in CO₂-Klasse 1:
Der größte Hebel für die richtigen Mautsätze liegt nicht im Fahrzeugtausch, sondern in den Daten. Eine falsche Gewichtsklasse, ein versäumter Antrag, der einen nach Juli 2019 zugelassenen Lkw in eine bessere CO₂-Klasse heben würde, oder eine Liftachse, die als angehoben und nicht mitzuzählen geführt wird, kosten still und monatlich Geld. Die Einbuchungswege (OBU, manuelle Buchung, TollNow-App) und die übrige Mautmechanik behandelt der Leitfaden zur Lkw-Maut in Deutschland.
