Die Incoterms 2020 sind die 11 standardisierten dreibuchstabigen Handelsklauseln der Internationalen Handelskammer (ICC), die im internationalen Warenhandel exakt festlegen, wo die Pflichten des Verkäufers enden und die des Käufers beginnen — Transportkosten, Gefahrenübergang, Ein- und Ausfuhr sowie Versicherung. Die Incoterms 2020 sind seit dem 1. Januar 2020 in Kraft und gelten auch 2026 unverändert; die ICC hat eine Überarbeitung (Arbeitstitel "Incoterms 2030") in Vorbereitung, aber bisher nicht veröffentlicht.
Inhalt
- Was sind Incoterms 2020?
- Wozu dienen die Incoterms (Funktion)
- Alle 11 Incoterms 2020 im Überblick (Vergleichstabelle)
- Wie Incoterms rechtsverbindlich werden
- Änderungen von Incoterms 2010 zu Incoterms 2020
- Incoterms für alle Transportarten
6.1 EXW – Ab Werk (Ex Works)
6.2 FCA – Frei Frachtführer (Free Carrier)
6.3 CPT – Frachtfrei (Carriage Paid To)
6.4 CIP – Frachtfrei versichert (Carriage and Insurance Paid To)
6.5 DAP – Geliefert benannter Ort (Delivered at Place)
6.6 DPU – Geliefert benannter Ort entladen (war DAT)
6.7 DDP – Geliefert verzollt (Delivered Duty Paid) - Incoterms nur für See- und Binnenschiffstransport
7.1 FAS – Frei Längsseite Schiff (Free Alongside Ship)
7.2 FOB – Frei an Bord (Free on Board)
7.3 CFR – Kosten und Fracht (Cost and Freight)
7.4 CIF – Kosten, Versicherung und Fracht (Cost, Insurance and Freight) - Welcher Incoterm passt? (Entscheidungshilfe)
- FAQ: Incoterms 2020
Was sind Incoterms 2020?
Die Incoterms (kurz für International Commercial Terms) sind 11 dreibuchstabige Klauseln der Internationalen Handelskammer. Jede Klausel beantwortet vier zentrale Fragen zu einer Sendung: wer organisiert den Transport, wer trägt die Kosten, wo geht das Risiko vom Verkäufer auf den Käufer über, und wer übernimmt Ausfuhr- und Einfuhrabwicklung. Die Incoterms 2020 sind die aktuelle Ausgabe und seit dem 1. Januar 2020 in Kraft.
Ein korrekt zitierter Incoterm im Kaufvertrag — zum Beispiel "FCA Frankfurt Flughafen, Incoterms 2020" — verhindert den häufigsten Streitpunkt im grenzüberschreitenden Handel: wer haftet, wenn Waren verloren gehen, beschädigt werden, beim Zoll hängen bleiben oder unerwartete Gebühren anfallen. Incoterms gelten nur für physische Waren und regeln weder Zahlungsbedingungen noch Eigentumsübergang oder Produkthaftung.

Incoterms 2020: Übersicht aller 11 Klauseln
Wozu dienen die Incoterms?
Wenn ein deutscher Verlader eine Palette an einen französischen Käufer verkauft, müssen sich beide Seiten — bevor der LKW losfährt — darauf einigen: wer beauftragt den Frachtführer, wer zahlt welche Etappe, wer übernimmt die Versicherung, wer wickelt die Ausfuhr ab, wer die Einfuhr, und an welchem physischen Punkt geht das Risiko über. Ohne gemeinsames Vokabular müsste jeder Vertrag das von Grund auf neu beschreiben. Die ICC hat 1936 die Incoterms eingeführt, um diese Antworten in drei Buchstaben plus einen benannten Ort zu komprimieren.
Die Incoterms werden etwa alle 10 Jahre überarbeitet (1980, 1990, 2000, 2010, 2020). Die Revision 2020 ist aktuell, und die ICC hat mit der Vorbereitung der nächsten Ausgabe begonnen. Die Angabe der Version im Vertrag ist entscheidend — "DAP Madrid, Incoterms 2020" ist eindeutig, "DAP Madrid" allein ist es nicht.
Alle 11 Incoterms 2020 im Überblick
Die folgende Tabelle fasst die 11 Klauseln entlang der vier wichtigsten Dimensionen zusammen: Transportart, wer zahlt den Haupttransport, wer wickelt Ausfuhr und Einfuhr ab, und wo das Risiko vom Verkäufer auf den Käufer übergeht.
Wie Incoterms rechtsverbindlich werden
Incoterms sind keine Gesetze. Sie gelten nur, wenn der Kaufvertrag ausdrücklich darauf verweist, und die Versionsjahresangabe muss genannt werden — z. B. "DDP München, Incoterms 2020". Ohne diese Angabe haben selbst weltbekannte Klauseln wie "FOB" keine rechtliche Wirkung im Vertrag.
Die Incoterms regeln nicht alles. Sie sagen nichts zu Zahlungsbedingungen, zum Eigentumsübergang, zur Produkthaftung, zur Mängelgewährleistung, zur höheren Gewalt oder zu den Rechtsfolgen bei Vertragsbruch. Diese Punkte müssen weiterhin separat im Kaufvertrag geregelt werden. Was Incoterms tatsächlich regeln — und zwar abschließend — ist die Aufteilung von Ein-/Aus-/Durchfuhr und Transport sowie der genaue Punkt des Gefahrenübergangs.
Änderungen von Incoterms 2010 zu Incoterms 2020
Die Revision 2020 ist mehr eine Weiterentwicklung als eine Neuschrift. Fünf wesentliche Änderungen:
- DAT in DPU umbenannt (Geliefert benannter Ort entladen). DPU ist nicht mehr auf Terminals beschränkt — jeder benannte Ort, an dem der Verkäufer entladen kann, ist nun zulässig.
- CIP-Versicherungsschutz angehoben von Institute Cargo Clauses (C) — Mindestdeckung — auf ICC (A) — Allgefahrendeckung. CIF bleibt bei ICC (C), entsprechend der Praxis im Commodity-Handel.
- FCA lässt nun ein an Bord ausgestelltes Konnossement zu, sofern vereinbart. Der Käufer kann den Frachtführer anweisen, das Konnossement an den Verkäufer auszustellen — nützlich, wenn der Verkäufer es für ein Akkreditiv benötigt.
- Eigene Verkehrsmittel des Verkäufers oder Käufers ausdrücklich erlaubt bei FCA, DAP, DPU, DDP. Frühere Ausgaben setzten einen externen Frachtführer voraus.
- Sicherheitsanforderungen und Kostenaufteilung in jeder Klausel präzisiert, statt der pauschalen Verweise der Ausgabe 2010.
Incoterms für alle Transportarten
Diese sieben Klauseln funktionieren für Straße, Schiene, Luft, See, Binnenschiff und multimodalen Transport. Sie sind der richtige Ausgangspunkt für jede nicht-massengutartige Ware und für nahezu allen Straßengüterverkehr in Europa.
EXW – Ab Werk (Ex Works)

EXW – Ab Werk
Bei EXW ist die einzige Aufgabe des Verkäufers, die verpackte Ware an seinem eigenen Standort (Werk, Lager, Depot) bereitzustellen. Alles ab diesem Punkt — Beladung, Transport, Ausfuhr, Einfuhr, sämtliche Kosten und Risiken — liegt beim Käufer. EXW legt die maximale Verantwortung auf den Käufer und ist die Klausel mit der geringsten Verkäuferpflicht aller Incoterms.
Typische Falle: Der Käufer kann die Ausfuhrabwicklung oft nicht rechtswirksam vom Ausland aus durchführen. Für grenzüberschreitenden Handel ist FCA meist die saubere Alternative.
FCA – Frei Frachtführer (Free Carrier)

FCA – Frei Frachtführer
Bei FCA liefert der Verkäufer die ausfuhrabgefertigte Ware an einen vom Käufer benannten Frachtführer an einem benannten Ort. Ist der benannte Ort der Standort des Verkäufers, übernimmt dieser die Beladung. Ist es ein anderer Ort, wird die Ware auf dem Transportmittel des Verkäufers entladebereit zur Verfügung gestellt. Risiko und Haupttransportkosten gehen an dem Übergabepunkt auf den Käufer über.
FCA ist die flexibelste der 11 Klauseln und die am häufigsten empfohlene Wahl für Container- und Straßengüterverkehr. Sie ersetzt sowohl EXW (saubere Ausfuhrabwicklung) als auch FOB (das formal nur für Massen- und Stückgut auf See passt, obwohl es für Container weit verbreitet falsch verwendet wird).
Neu in 2020: Käufer und Verkäufer können vereinbaren, dass der Frachtführer ein an Bord ausgestelltes Konnossement an den Verkäufer ausstellt — nützlich, wenn dieser das Dokument für ein Akkreditiv benötigt.
CPT – Frachtfrei (Carriage Paid To)

CPT – Frachtfrei
Bei CPT organisiert und bezahlt der Verkäufer den Transport bis zum benannten Bestimmungsort — aber das Risiko geht früher über, nämlich mit der Übergabe an den ersten Frachtführer. Diese Trennung zwischen Kosten und Risiko ist das unintuitivste Merkmal der C-Klauseln und häufige Streitursache. Der Verkäufer übernimmt die Ausfuhr; der Käufer die Einfuhr.
CIP – Frachtfrei versichert (Carriage and Insurance Paid To)

CIP – Frachtfrei versichert
CIP ist CPT plus eine vom Verkäufer zu tragende Versicherungspflicht. In den Incoterms 2020 muss diese Versicherung auf dem ICC-(A)-Allgefahrendeckungsniveau liegen — eine deutliche Anhebung gegenüber der Mindestdeckung der Ausgabe 2010. Die Mindestversicherungssumme beträgt 110 % des Vertragspreises, in der Vertragswährung. Wie bei CPT geht das Risiko bereits am ersten Frachtführer über; die Versicherung deckt einfach das Risiko des Käufers während des Transports ab.
DAP – Geliefert benannter Ort (Delivered at Place)

DAP – Geliefert benannter Ort
Bei DAP trägt der Verkäufer Kosten und Risiko bis zur Anlieferung an einen benannten Ort im Land des Käufers, entladebereit, aber nicht entladen. Die Ausfuhr ist Sache des Verkäufers, die Einfuhr und die Zölle Sache des Käufers. DAP ist die richtige Wahl, wenn der Verkäufer die Tür-zu-Tür-Anlieferung effizient organisieren kann, aber im Bestimmungsland nicht als Einführer registriert sein will.
DPU – Geliefert benannter Ort entladen (ersetzt DAT)

DPU – Geliefert benannter Ort entladen
DPU ist die einzige umbenannte Klausel der Revision 2020. Sie ersetzt DAT (Delivered at Terminal) und hebt die Beschränkung auf, dass der benannte Ort ein Terminal sein muss — er kann nun jeder vereinbarte Ort sein, an dem der Verkäufer physisch entladen kann. DPU ist die einzige Incoterm-Klausel, die vom Verkäufer eine Entladung verlangt; bei allen anderen D-Klauseln wird die Ware entladebereit angeliefert, aber der Käufer (oder dessen Vertreter) entlädt selbst.
Praktischer Hinweis: Den Ort detailliert vereinbaren (Straßenadresse, Andockstelle, Rampe), denn der Verkäufer muss die Entladung sicher abwickeln können. Verträge mit Bezug auf "Incoterms 2010 DAT" bleiben gültig, sollten aber bei Verlängerung auf DPU 2020 umgestellt werden.
DDP – Geliefert verzollt (Delivered Duty Paid)

DDP – Geliefert verzollt
DDP ist die Klausel mit der maximalen Verkäuferpflicht: Der Verkäufer übernimmt alles — Ausfuhr, Transport, Versicherung (optional, aber empfehlenswert), Einfuhrabwicklung, Zölle, Einfuhrumsatzsteuer im Bestimmungsland — und stellt die Ware nur entladebereit am vereinbarten Ort dem Käufer zur Verfügung. DDP ist für den Käufer attraktiv (schlüsselfertige Lieferung), setzt den Verkäufer aber dem ausländischen Steuer- und Zollrecht aus, das er möglicherweise nicht beherrscht. Viele Verkäufer kalkulieren DDP-Angebote daher mit einem großzügigen Aufschlag.
Incoterms nur für See- und Binnenschiffstransport
Diese vier Klauseln gelten nur wenn der Haupttransport per Schiff erfolgt. Die ICC warnt ausdrücklich davor, FOB, CFR oder CIF für containerisierte Ladung zu verwenden — auch wenn das in der Praxis verbreitet ist — weil der Gefahrenübergang in diesen Klauseln an der Schiffsreling stattfindet, während ein Container in Wirklichkeit Stunden oder Tage zuvor am Terminal an den Frachtführer übergeben wird. Für Container sind die entsprechenden multimodal-fähigen Klauseln (FCA, CPT, CIP) technisch korrekt.
FAS – Frei Längsseite Schiff (Free Alongside Ship)

FAS – Frei Längsseite Schiff
Bei FAS übernimmt der Verkäufer die Ausfuhr und liefert die Ware längsseits des Schiffs (am Kai oder auf einer Schute) am benannten Hafen. Sobald die Ware längsseits liegt, gehen Kosten und Risiko auf den Käufer über. FAS passt für Schüttgut und Stückgut wie Getreide, Erze oder Stahl — nicht für containerisierte Ware.
FOB – Frei an Bord (Free on Board)

FOB – Frei an Bord
FOB erweitert FAS um die Verpflichtung des Verkäufers, die Ware tatsächlich an Bord des Schiffs zu verladen. Kosten und Risiko gehen in dem Moment über, in dem die Ware auf dem Schiff abgelegt wird. Wie FAS ist FOB für Massen- und Stückgut konzipiert. Für Container ist FCA die richtige Klausel, auch wenn FOB informell weit verbreitet ist.
CFR – Kosten und Fracht (Cost and Freight)

CFR – Kosten und Fracht
Bei CFR bezahlt der Verkäufer die Seefracht bis zum benannten Bestimmungshafen, aber das Risiko geht über, sobald die Ware an Bord ist im Ausgangshafen — exakt wie bei FOB. Die Trennung zwischen Kosten und Risiko überrascht CFR-Erstanwender: Eine beschädigte Ladung auf See ist Problem des Käufers, auch wenn der Verkäufer noch für die Schiffsreise zahlt.
CIF – Kosten, Versicherung und Fracht (Cost, Insurance and Freight)

CIF – Kosten, Versicherung und Fracht
CIF ist CFR plus eine vom Verkäufer zu tragende Seetransportversicherung. Die Mindestdeckung ist ICC (C) — deutlich enger als die Allgefahrendeckung (A) bei CIP. ICC (C) ist akzeptabel für Commodities, bei denen Käufer und Verkäufer routinemäßig mit eigenen Policen aufstocken — deshalb hat die ICC CIF bei diesem Niveau belassen, als sie CIP angehoben hat. Die Mindestversicherungssumme beträgt 110 % des Vertragspreises.
Welcher Incoterm passt?
Es gibt keine universell richtige Klausel — der passende Incoterm hängt von der Ware, der Strecke, den Frachtraten beider Seiten und davon ab, welche Partei den Zoll im jeweiligen Land beherrscht. Die folgenden Heuristiken decken den größten Teil der Entscheidungen im europäischen Straßengüterverkehr ab:
Sobald der Incoterm vereinbart ist, beginnt die operative Aufgabe: Welche Strecke kostet wie viel Maut, welche Laufzeit ist realistisch, und wie werden Auftraggeber, Fahrer und Subunternehmer auf dem gleichen Stand gehalten? IMPARGO ist eine cloud-basierte Transport-Management-Plattform (TMS) aus Deutschland. Das Planner Module berechnet für jede europäische Strecke die Mautkosten pro Land mit konfigurierbarer Umsatzsteuer (mit/ohne) und erlaubt den manuellen Side-by-Side-Vergleich mehrerer Routenvarianten — die Wahl zwischen z. B. einer mautstarken Autobahnstrecke und einer kombinierten Bundesstraßenroute liegt beim Disponenten, nicht bei einem Black-Box-Algorithmus. Zur Auftragsabwicklung gehören die Fahrer-App, ein Empfänger-Portal für ETA-Updates und ein Subunternehmer-Modul für die externe Aufgabenvergabe. Mehr zur zugehörigen Transportdokumentation in unserer Anleitung zum CMR-Frachtbrief oder zur Lademeter-Berechnung (LDM).
