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IMPARGO

November 26, 2018 - 10 min read


In Europa gibt es vier LKW-Mautsysteme: Free Flow (Deutschland, Belgien, Ungarn, Bulgarien), Vignette (Österreich, Tschechien, Slowakei), geschlossene Systeme (Frankreich, Italien, Spanien, Portugal) und offene Systeme (Norwegen, Teile Polens). In den meisten Ländern gilt die Maut ab 3,5 t — in Deutschland seit dem 1. Juli 2024, in den Niederlanden ab dem 1. Juli 2026 unter der neuen Vrachtwagenheffing. Eine EETS-Mautbox deckt mit einem einzigen Gerät 12+ Länder ab.

 

Auf einen Blick
  • Free Flow: Automatische Erfassung über Sensoren – OBU im LKW Pflicht
  • Vignette: Pauschale Zeitgebühr – kein technisches Gerät nötig
  • Geschlossen: Ticket beim Einfahren, Zahlung beim Ausfahren
  • Offen: Zahlung pro passierter Mautstation
  • EETS: Eine Box, 12+ Länder – ersetzt einzelne OBUs

Die 4 Mautsystem-Typen in Europa im Überblick

Ein Mautsystem ist die Methode, mit der ein Land die Gebühr für die Nutzung seiner Verkehrswege erhebt. Die vier in Europa eingesetzten Systeme unterscheiden sich grundlegend in zwei Punkten: ob die Maut streckenabhängig oder pauschal berechnet wird und ob ein technisches Gerät (OBU) im LKW vorgeschrieben ist. Die folgende Tabelle fasst die Unterschiede für Spediteure und Disponenten zusammen.

Vergleich der 4 europäischen Mautsysteme
Kriterium Free Flow Vignette Geschlossen Offen
Berechnung pro km pauschal nach Zeit pro km (Ticket) pro Mautstation
OBU/Hardware Pflicht keine optional optional
Zahlungszeitpunkt nachträglich im Voraus bei Ausfahrt bei Durchfahrt
Wichtige Länder DE, BE, HU, BG CH, AT, CZ, SK FR, IT, ES, PT NO, Teile PL
Mautpflicht ab 3,5 t (DE) 3,5 t (CH) 3,5 t (FR) 3,5 t (NO)

Free Flow: Wie das System funktioniert und welche Länder es nutzen

Das Free Flow-Mautsystem ist die modernste Methode der Mauterhebung in Europa. Stationäre Sensoren – meist an bestehenden Verkehrsschildern oder Mautbrücken montiert – erfassen passierende LKW vollautomatisch. Eine On-Board-Unit (OBU) im Fahrerhaus sendet dabei Fahrzeugdaten an die Stationen, woraus die zurückgelegte mautpflichtige Strecke und der zu zahlende Betrag berechnet werden. Der LKW muss nicht anhalten – daher der Name "Free Flow".

Deutschland war 2005 mit Toll Collect einer der ersten europäischen Märkte, die Free Flow flächendeckend einführten. Heute gilt das System für alle LKW ab 3,5 t (gesenkt von 7,5 t zum 1. Juli 2024) auf Bundesautobahnen und Bundesstraßen. Belgien (Viapass), Ungarn (HU-GO) und Bulgarien nutzen ebenfalls Free Flow. Die berechneten Faktoren unterscheiden sich pro Land: in Deutschland zählen Achslast und Euro-Schadstoffklasse, dazu seit dem 1. Dezember 2023 die CO₂-Emissionsklasse — die Absenkung der Gewichtsschwelle von 7,5 t auf 3,5 t kam danach zum 1. Juli 2024. Emissionsfreie LKW (batterieelektrisch, Wasserstoff-Brennstoffzelle) über 4,25 t bleiben bis zum 30. Juni 2031 vollständig von der Maut befreit — das Vierte Gesetz zur Änderung mautrechtlicher Vorschriften (in Kraft seit 1. Dezember 2025) hat die ursprünglich auf den 31. Dezember 2025 datierte Frist verlängert. ZEV bis 4,25 t sind dauerhaft befreit. Ab dem 1. Juli 2031 werden ZEV über 4,25 t der Schadstoffkategorie G zugeordnet, mit 75 % Rabatt auf den Infrastruktur-Mautteilsatz.

Beispiel

Ein 40-t-Sattelzug mit Euro-6-Motor zahlt in Deutschland 2026 ca. 0,348 €/km Maut auf Bundesautobahnen (Infrastruktur + Luftverschmutzung + CO₂ + Lärm). Detail-Sätze: Toll Collect Mautsätze.

Vignetten-System: Pauschalgebühr nach Zeit

Beim Vignetten-System zahlt der LKW-Halter eine Pauschalgebühr für einen bestimmten Zeitraum – typischerweise Tag, Woche, Monat oder Jahr. Die zurückgelegte Strecke spielt keine Rolle. Vignetten werden entweder als Klebevignette am Fahrzeug angebracht oder elektronisch (E-Vignette) erworben und an das Kennzeichen gebunden.

Die Schweiz nutzt mit der LSVA ein Sondermodell: für LKW über 3,5 t ist sie streckenabhängig, also kein klassisches Vignetten-System. Klassische LKW-Vignetten gelten dagegen u. a. in Österreich (GO-Box für Fahrzeuge über 3,5 t), Tschechien (MYTO CZ) und der Slowakei. Für leichte Nutzfahrzeuge bis 3,5 t reichen in vielen Ländern PKW-Vignetten.

Die Eurovignette ist ein gemeinsames Zeit-System für LKW über 12 t, das aktuell in den Niederlanden, Luxemburg, Dänemark und Schweden gilt — wobei die Niederlande am 30. Juni 2026 austreten und auf die per-km-Vrachtwagenheffing umstellen. Eine Wochen-Eurovignette für Euro-6-LKW kostet ab 9 €, ein Jahr ab 1.250 €.

Geschlossenes System: Ticket beim Einfahren, Zahlung beim Ausfahren

Das geschlossene Mautsystem funktioniert wie ein Parkhaus. Beim Auffahren auf die Autobahn zieht der Fahrer ein Ticket oder die OBU registriert die Einfahrt. Beim Verlassen der Autobahn wird die genaue gefahrene Strecke abgerechnet – inklusive Fahrzeugkategorie und Straßenabschnitt.

Dieses System dominiert in den südeuropäischen Ländern: Frankreich (TIS-PL der ASFA-Mitglieder), Italien (Telepass), Spanien (Via-T) und Portugal (Via Verde). Die OBU ist nicht zwingend Pflicht, beschleunigt aber die Mautstationen-Passage erheblich. Ohne Telepass-/Via-T-Gerät muss der LKW manuell an jeder Mautstation halten und bar oder per Karte zahlen – ein erheblicher Zeitfaktor für Disponenten bei der Routenplanung.

Offenes System: Zahlung pro Mautstation

Im offenen Mautsystem stehen feste Mautstationen an bestimmten Stellen des Streckennetzes. Der LKW zahlt bei jeder Passage eine vorab festgelegte Gebühr – unabhängig davon, wie weit er fährt. Das System ist einfach zu betreiben, aber für Fernverkehr ungünstig, weil mehrere Stationen auf einer einzigen Tour anfallen.

Norwegen nutzt das offene System konsequent mit der AutoPASS-OBU. In Polen gilt das offene System auf einzelnen Autobahn-Konzessionsstrecken (A1, A2, A4) – parallel zum staatlichen e-TOLL-System (Free Flow). Disponenten müssen für Polen daher beide Systeme im Blick haben.

EETS: Eine Mautbox für ganz Europa

Der European Electronic Toll Service (EETS) wurde durch die EU-Richtlinie 2004/52/EG geschaffen und 2019 durch die Neufassung (Richtlinie (EU) 2019/520) konkretisiert. Das Ziel: ein einziges Bordgerät soll die Maut in mehreren europäischen Ländern abrechnen. Mit einer EETS-Box entfällt die Pflicht, für jedes Land eine separate OBU zu installieren.

Eine voll funktionsfähige EETS-Box deckt mittlerweile 12 oder mehr Länder ab — je nach Anbieter typischerweise Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Belgien, Österreich, Schweiz, Polen, Tschechien, Slowakei, Bulgarien und Ungarn sowie den Liefkenshoek-Tunnel und die Brücken Storebælt und Øresund. Die Niederlande kommen ab 1. Juli 2026 (Vrachtwagenheffing) dazu. Anbieter sind u. a. DKV, AS24, Eurowag, Telepass Europe und Toll4Europe.

Wirtschaftlich lohnt sich eine EETS-Box vor allem für Speditionen mit grenzüberschreitendem Verkehr ab ca. 50.000 km mautpflichtiger Strecke pro Jahr und LKW. Die Servicegebühr pro EETS-Box liegt bei den meisten Anbietern zwischen 0,50 € und 1 € pro mautpflichtigem Tag und Land. Telematik-Lösungen wie Webfleet oder Trimble lassen sich nahtlos mit EETS-Boxen koppeln, sodass Mautkosten, GPS-Position und Fahrzeugdiagnose in einer Plattform zusammenfließen.

Mautsysteme nach Land im Überblick

Die folgende Tabelle zeigt, welches Mautsystem in den wichtigsten europäischen Ländern für LKW ab 3,5 t gilt. Klicken Sie auf das Land für eine detaillierte Preis-Übersicht.

Mautsysteme nach Land (LKW)
Land Mautsystem Betreiber / Name Mautpflicht ab
DeutschlandFree FlowToll Collect3,5 t
FrankreichGeschlossenASFA / Sanef / SAPN3,5 t
ItalienGeschlossenTelepass / Autostrade3,5 t
SpanienGeschlossenVia-T / Abertis3,5 t
PortugalGeschlossen + Free FlowVia Verde3,5 t
ÖsterreichStreckenabh. via GO-Box (CO₂-Stufen ab 2026)ASFINAG / GO-Box3,5 t
SchweizStreckenabh. (LSVA)EZV / Emotach (LSVA 3)3,5 t
PolenFree Flow + Offen (e-TOLL ca. +40 % im Februar 2026)e-TOLL / A1, A2, A43,5 t
UngarnFree FlowHU-GO3,5 t
TschechienFree Flow (MYTO CZ)CzechToll / SkyToll3,5 t
SlowakeiVignette + Free FlowNDS / SkyToll3,5 t
BelgienFree FlowViapass3,5 t
NiederlandeEurovignette bis 30. Juni 2026, dann Vrachtwagenheffing (pro km)RDW / Rijkswaterstaat3,5 t (ab 1. Juli 2026; vorher 12 t)
NorwegenOffenAutoPASS3,5 t
BulgarienFree FlowBG TOLL3,5 t

Welches Mautsystem ist am günstigsten? Kostenoptimierung durch Routenplanung

Die Frage nach dem "günstigsten" Mautsystem lässt sich nicht pauschal beantworten – sie hängt von der konkreten Route, dem Fahrzeugtyp und der Schadstoffklasse ab. Ein Beispiel: ein 40-t-Euro-6-Sattelzug von München nach Mailand kann je nach Routenwahl zwischen 180 € und 270 € Maut kosten – die Differenz ergibt sich aus der Wahl zwischen Brenner (AT) und Reschen (CH/IT) sowie der Streckenführung in Italien selbst.

Manuelle Mautberechnung über mehrere Mautsysteme hinweg ist nicht mehr realistisch. IMPARGO ist eine cloud-basierte TMS-Plattform aus Deutschland. Das Planner Module berechnet die Mautkosten länderweise für jede europäische Route – Free Flow, Vignette, geschlossen oder offen werden alle in derselben Kalkulation berücksichtigt – mit konfigurierbarem MwSt.-Schalter (mit oder ohne MwSt.) und transparenter Aufschlüsselung pro Land, sodass Sie genau sehen, was die deutsche LKW-Maut, der österreichische GO-Box-Streckenanteil, die schweizerische LSVA und z. B. der italienische Telepass-Anteil jeweils kosten. Der Disponent kann Routenvarianten side-by-side vergleichen – z. B. Brenner-Route gegen Reschen-Route – und entscheidet selbst, welche Kombination aus Maut, Fahrzeit und Streckenführung am besten passt; es gibt keine automatische Auswahl durch einen Blackbox-Algorithmus. Bei der Routenführung selbst werden Achslast, Schadstoffklasse, Lenk- und Ruhezeiten, LKW-Sperrungen und Höhenbeschränkungen berücksichtigt. Die Auftragsabwicklung wird durch die Fahrer-App, ein Empfänger-Portal mit ETA-Updates und ein Subunternehmer-Modul für die externe Vergabe ergänzt.

Maut für jede Route länderweise berechnen

Das Planner Module berechnet die Mautkosten pro Land (mit oder ohne MwSt.) für jede europäische Route – Free Flow, Vignette, geschlossen und offen werden in einer einzigen Kalkulation kombiniert – und stellt Routenvarianten side-by-side gegenüber. In einer 30-minütigen Demo zeigen wir Speditionen und Disponenten, wie Aufträge schneller angenommen, Touren mit Fahrer-App und Empfänger-Portal transparent abgewickelt und Subunternehmer im selben System koordiniert werden.

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Häufig gestellte Fragen zu Mautsystemen in Europa

Was ist Free Flow Maut?

Free Flow ist ein vollautomatisches Mautsystem ohne Mautstationen. Sensoren – meist an Verkehrsschildern oder Brücken montiert – erfassen vorbeifahrende LKW über eine On-Board-Unit (OBU). Die Maut wird streckenabhängig berechnet. Deutschland (Toll Collect), Belgien (Viapass), Ungarn (HU-GO) und Bulgarien nutzen Free Flow.

Was kostet eine EETS-Mautbox?

Die EETS-Box selbst kostet bei den meisten Anbietern (DKV, AS24, Eurowag, Telepass Europe, Toll4Europe) zwischen 0 € und 50 € Einrichtungsgebühr. Hinzu kommt eine Servicegebühr von 0,50 € bis 1 € pro mautpflichtigem Tag und Land. Die eigentliche Maut wird wie gewohnt direkt an den Mautbetreiber weitergegeben.

In welchen Ländern brauche ich eine Vignette für den LKW?

Für LKW gilt eine klassische Vignette in der Schweiz (LSVA – aber streckenabhängig), Österreich (GO-Box), Tschechien und der Slowakei. Die Eurovignette deckt die Niederlande, Luxemburg, Dänemark und Schweden ab. In allen anderen Free-Flow- und geschlossenen Ländern wird stattdessen eine OBU oder ein Telepass-/Via-T-Gerät benötigt.

Ist die Schweizer LSVA eine Maut oder eine Vignette?

Die Schweizer LSVA ist eine streckenabhängige Maut, keine Vignette. Für LKW ab 3,5 t funktioniert sie wie das deutsche Free Flow — pro gefahrenem Kilometer auf allen Schweizer Straßen, erfasst über die Emotach-OBU (ab 2026 abgelöst durch LSVA 3). Die Schweiz hat zusätzlich eine PKW-Vignette (40 CHF/Jahr), die aber nicht für LKW gilt.

Was ist eine OBU?

Eine On-Board-Unit (OBU) ist ein Bordgerät im LKW, das Position, gefahrene Strecke und Fahrzeugklasse an das Mautsystem überträgt. OBUs sind in Free-Flow-Ländern Pflicht und in geschlossenen Systemen (Frankreich, Italien, Spanien) optional, aber stark empfohlen, da sie das Anhalten an Mautstationen ersparen.

In welchen Ländern gilt Free Flow Maut?

Free Flow ist 2026 in Deutschland, Belgien, Ungarn, Tschechien, der Slowakei, Bulgarien und Teilen Polens (e-TOLL) für LKW im Einsatz. In Frankreich wird Free Flow ab 2026 auf der A14 und der A13 schrittweise eingeführt. Die Niederlande wechseln am 1. Juli 2026 von der Eurovignette auf die per-km-Vrachtwagenheffing — und zwar für alle LKW der Kategorien N2 und N3 ab 3,5 t (nicht 12 t — das war die alte Eurovignetten-Schwelle).

Brauche ich für LKW unter 7,5 t Maut?

In Deutschland gilt die LKW-Maut seit dem 1. Juli 2024 bereits ab 3,5 t zulässigem Gesamtgewicht (statt vorher 7,5 t). Auch in Frankreich, Italien, Spanien, Österreich, Polen, Tschechien und der Slowakei sind LKW ab 3,5 t mautpflichtig. Ausnahmen wie Handwerkerfahrzeuge gibt es in einigen Ländern – Details prüfen.


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