Der Blog für Transportlogistiker

Aktuelles und informatives aus der Transportlogistik

Incoterms einfach erklärt

Inhalt

  1. Schnellübersicht
  2. Was sind Incoterms?
  3. Gültigkeit der Incoterms
  4. Wichtige Neuerungen von Incoterms 2000 zu 2010
  5. Liste der Incoterms 2010
      5.1 EXW - Ex Works
      5.2 FCA - Free Carrier
      5.3 CPT - Carriage Paid To
      5.4 CIP - Carriage And Insurance Paid To
      5.5 DAP - Delivered At Place
      5.6 DAT - Delivered At Terminal
      5.7 DDP - Delivered Duty Paid
      5.8 FAS - Free Alongside Ship
      5.9 FOB - Free On Board
      5.10 CFR - Cost And Freight
      5.11 CIF - Cost, Insurance And Freight

Schnellübersicht

uebersicht incoterms 2010Incoterms 2010: Übersicht

Was sind Incoterms?

Um Missverständnisse zwischen Käufer und Verkäufer zu vermeiden sollten beim Abschluss eines Kaufvertrages die vertraglichen Rechte und Pflichten jeder Vertragspartei so genau wie möglich bestimmt werden. Anderenfalls kommt es, besonders wenn es um grenzüberschreitende Warenlieferungen geht, vermehrt zu Missverständnissen, Streitigkeiten oder gar gerichtlich ausgetragenen Konflikten zwischen den Parteien.

Die Internationale Handelskammer (ICC) hat sich mit diesen Umständen bereits 1936 auseinandergesetzt und internationale Handelsklauseln (engl. International Commercial Terms, kurz: Incoterms) formuliert. Die Incoterms sind weltweit anerkannt und regeln die Rechte und Pflichten der Käufer und Verkäufer im internationalen Handel und standardisieren damit globale Kaufgeschäfte. Die Incoterms wurden seit Erstveröffentlichung 1936 wiederholt überarbeitet. Damit es keine Missverständnisse zwischen den Vertragspartnern gibt, ist es sinnvoll festzulegen auf welche Version der Incoterms sich im Kaufvertrag berufen wird. Die aktuellste, siebte Revision der Incoterms wurde zum 01.01.2011 veröffentlicht und nennt sich Incoterms 2010.

Einigen sich Käufer und Verkäufer auf die Nutzung der Incoterms, sind bereits viele wichtige vertragliche Rahmenbedingungen festgelegt. Konkret sind Aspekte wie die Ein-, Durch- und Ausfuhr, der Abschluss von Versicherungs- und Transportverträgen, die Lieferhandlung, der Lieferort und der Gefahrenübergang festgelegt.

Gültigkeit der Incoterms

Die Incoterms sind grundsätzlich nur gültig, wenn sie ausdrücklich in einen Vertrag aufgenommen werden. Es handelt sich um keine gesetzlichen Regelungen, weshalb es den Vertragspartnern frei steht individuelle Anpassungen gegenüber den vorgeschlagenen Klauseln vorzunehmen. An diesem Punkt ist hinzuzufügen, dass die Incoterms einen klassischen Kaufvertrag nicht ersetzen können. Sie enthalten keine detaillierten Angaben zu bspw. Zahlungsbedingungen oder zum Zeitpunkt des Eigentumsübergangs, ebenfalls keine Berücksichtigung finden die Produkthaftung, der Umgang mit Mängeln und die Rechtsfolgen bei Vertragsbruch. Die Parteien müssen also trotz der Einigung auf die Incoterms zusätzliche Vereinbarungen treffen. Durch die Festlegung bspw. des Lieferorts bzw. des Erfüllungsorts haben die Incoterms allerdings genau dann Einfluss, wenn Vereinbarungen im Kaufvertrag fehlen.

Wichtige Neuerungen von Incoterms 2000 zu Incoterms 2010

  • DAF, DES, DEQ und DDU wurden durch DAT (Delivered At Terminal) und DAP (Delivered At Place) ersetzt
  • Erweiterung des Gefahrübergangs bei FOB, CFR und CIF
  • Zusätzliche Erläuterungen in Form von Anwendungshinweisen der einzelnen Klauseln
  • Kommunikation in elektronischer Form der Kommunikation in Schriftform gleichgestellt
  • Auch auf innerstaatliche Lieferungen anwendbar

Liste der Incoterms 2010

Im Folgenden sehen sie die offizielle Liste der Incoterms 2010 durch die ICC. Der erste Teil betrifft alle Transportarten, der zweite Teil dagegen ist lediglich für den See- und Binnenschiffsverkehr von Bedeutung.

EXW - Ex Works (Ab Werk)

Incoterms 2010 EXWIncoterms 2010: EXW - Ex Works (Ab Werk)

EXW legt fest, dass der Lieferort beim Verkäufer liegt. Damit gehen Kosten und Risiken bereits ab der Bereitstellung der Ware zum vereinbarten Zeitpunkt beim Verkäufer oder an einem anderen vereinbarten Ort (bspw. Werk, Lager, usw.) an den Käufer über. Der Verkäufer hat damit seine vertragliche Leistungspflicht erfüllt, sobald er die Ware verpackt und entsprechend gekennzeichnet hat. Die Transportkosten, die Beschaffung der erforderlichen Dokumente und die damit zusammenhängenden Risiken liegen alleine beim Käufer.

FCA - Free Carrier (Frei Frachtführer)

Incoterms 2010 FCAIncoterms 2010: FCA - Free Carrier (Frei Frachtführer)

Die Kosten und Risiken gehen bei FCA mit der Übergabe der Ware vom Verkäufer an den verantwortlichen Frachtführer des Haupttransportes an den Käufer über. Je nach Vereinbarung muss der Verkäufer auch beladen. Der Verkäufer hat seine vertragliche Leistungspflicht erfüllt, sobald er die Ware zur Ausfuhr bereit gemacht und zum vereinbarten Frachtführer oder zur vereinbarten Stelle gebracht hat. Für die Durch- und Einfuhr, die Kosten des Haupttransports und die damit zusammenhängenden Risiken ist der Käufer verantwortlich.

CPT - Carriage Paid To (Frachtfrei)

Incoterms 2010 CPTIncoterms 2010: CPT - Carriage Paid To (Frachtfrei)

CPT legt fest, dass die Risiken der Warensendung beim Verkäufer bleiben bis er die Ware zum, von ihm bestimmten, Frachtführer gebracht hat. Der Kostenübergang erfolgt erst, wenn die Ware am Bestimmungsort angekommen ist. Der Verkäufer muss also einen Beförderungsvertrag zum vereinbarten Bestimmungsort abgeschlossen und dessen Kosten übernommen haben. Außerdem ist der Verkäufer für die Aus- und Durchfuhr verantwortlich. Für die Einfuhr ist der Käufer zuständig.

CIP - Carriage And Insurance Paid To (Frachtfrei Versichert)*

Incoterms 2010 CIPIncoterms 2010: CIP - Carriage And Insurance Paid To (Frachtfrei Versichert)

CIP entspricht CPT, allerdings hat der Verkäufer zusätzlich noch eine Transportversicherung für die Beförderung ab der Übernahme durch den ersten Frachtführer bis zum Bestimmungsort abzuschließen und dessen Kosten zu übernehmen.

DAP - Delivered At Place (Geliefert Benannter Ort)

Incoterms 2010 DAPIncoterms 2010: DAP - Delivered At Place (Geliefert Benannter Ort)

Bei DAP ist der Verkäufer bereits seiner Leistungspflicht nachgekommen, wenn dieser die Ware zur Aus-, und Durchfuhr frei gemacht hat und auf dem ankommenden Beförderungsmittel zur Verfügung stellt, ohne die Ware selbst abladen zu müssen. Steht die Ware also auf dem Beförderungsmittel entladebereit zur Verfügung, liegen Kosten und Risiken bereits beim Käufer. Der Käufer trägt die Verantwortung für die Einfuhr.

DAT - Delivered At Terminal (Geliefert Terminal)

Incoterms 2010 DATIncoterms 2010: DAT - Delivered At Terminal (Geliefert Terminal)

Vereinbart man die Klausel DAT, verpflichtet sich der Verkäufer zur Lieferung der Ware an ein bestimmtes Terminal (auch Hafenkai, Lagerhalle, Containerdepot, usw.). Der Verkäufer hat also seine vertragliche Pflicht getan, wenn er die Ware zur Aus- und Durchfuhr bereit gemacht und am vereinbarten Bestimmungsort vom ankommenden Beförderungsmittel abgeladen hat. Sobald der Verkäufer dem Käufer die Ware zur Abholung zur Verfügung gestellt hat, gehen die Kosten und Risiken an diesen über. Der Käufer trägt die Verantwortung für die Einfuhr.

DDP - Delivered Duty Paid (Geliefert Verzollt)

Incoterms 2010 DDPIncoterms 2010: DDP - Delivered Duty Paid (Geliefert Verzollt)

Nach DDP macht der Verkäufer die Ware zur Aus-, Durch-, und Einfuhr frei und stellt sie dem Käufer auf dem ankommenden Beförderungsmittel entladebereit am Bestimmungsort zur Verfügung. Bis zum entladebereiten Zustand der Ware trägt er die Kosten und Risiken.

FAS - Free Alongside Ship (Frei Längsseite Schiff)**

Incoterms 2010 FASIncoterms 2010: FAS - Free Alongside Ship (Frei Längsseite Schiff)

Mit FAS übernimmt der Verkäufer die Ausfuhr und die Beförderung der Ware bis zur Längsseite des Transportschiffes im vereinbarten Verschiffungshafen. Die Haupttransportkosten und die Durch- und Einfuhr liegen in der Verantwortung des Käufers. Liegt die Ware an der Längsseite des Schiffes, gehen sowohl Kosten, als auch Risiken an den Käufer über.

FOB - Free On Board (Frei an Bord)**

Incoterms 2010 FOBIncoterms 2010: FOB - Free On Board (Frei an Bord)

FOB erweitert FAS um die Beförderung der Ware an Bord des Schiffes.

CFR - Cost And Freight (Kosten und Fracht)**

Incoterms 2010 CFRIncoterms 2010: CFR - Cost And Freight (Kosten und Fracht)

CFR entspricht FOB, mit dem Unterschied, dass bei FOB der Käufer für den Schiffstransport aufkommt und bei CFR der Verkäufer. Die Risiken gehen also bereits nach dem Verladen an Bord des Schiffes an den Käufer über, die Kosten jedoch erst wenn der Verkäufer die Ware zum Bestimmungshafen befördern lassen hat.

CIF - Cost, Insurance And Freight (Kosten, Versicherung und Fracht)*/**

Incoterms 2010 CIFIncoterms 2010: CIF - Cost, Insurance And Freight (Kosten, Versicherung und Fracht)

CIF entspricht CFR, allerdings hat der Verkäufer noch zusätzlich eine Seetransportversicherung für die Beförderung auf dem Seeweg abzuschließen.


Falls Sie genauere Informationen über die Incoterms-Klauseln erhalten möchten, können Sie die aktuelle Version hier käuflich erwerben.

Hinweis: Es wird grundsätzlich empfohlen die Stelle innerhalb des vereinbarten Liefer-/Bestimmungsortes so exakt wie möglich zu bestimmen, da an dieser Stelle die Risiken auf den Käufer übergeht.

*Bei CIP und CIF muss der Verkäufer auf eigene Kosten eine Transportversicherung abschließen. Die Transportversicherung muss nach den Institut Cargo Clauses einen Mindestbetrag umfassen. Dieser beträgt 110% des Kaufpreises (Kaufpreis der Ware + 10 % = 110%). Außerdem muss die Transportversicherung in der Währung des Kaufvertrages abgeschlossen werden.

** Nur für den See- und Binnenschiffstransport relevant