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IMPARGO

June 23, 2021 - 15 min read


Lkw-Maut Europa 2026 — das Jahr der Kostenschocks

Die europäischen Lkw-Mautsysteme haben sich Anfang 2026 stärker verändert als in jedem Jahr seit der ursprünglichen Eurovignetten-Richtlinie von 2011. Drei der großen Systeme haben innerhalb von fünf Monaten massive Änderungen umgesetzt:

  • Polen: +4–6,6 % zum 1. Januar, dann +40–42 % zum 1. Februar — die stärkste Einzelerhöhung in einem großen europäischen Mautsystem in diesem Jahr. Streckennetz auf rund 5.869 km erweitert.
  • Ungarn: +4,3 % zum 1. Januar, dann eine weitere Anhebung zum 1. März — kumuliert rund +35 % gegenüber 2025. Netzerweiterung zum 1. Juli.
  • Österreich: +10–13 % zum 1. Januar mit der GO-Maut-Reform 2026; die ZEV-Befreiung (75 % Rabatt auf die Infrastrukturkomponente) bis 2030 verlängert.
  • Niederlande: die jährliche Eurovignette wird zum 1. Juli 2026 durch eine streckenbezogene Maut (Vrachtwagenheffing) ersetzt — eine strukturelle Änderung für alle, die regelmäßig in den Niederlanden fahren.
  • Rumänien: startet TollRo, ein neues streckenbezogenes System, das die pauschale Rovinieta für Lkw ersetzt — ebenfalls zum 1. Juli 2026.
  • Frankreich: durchschnittlich +0,87 % zum 1. Februar im Rahmen der jährlichen Konzessionsindexierung.

Die Änderung der Eurovignetten-Richtlinie (Richtlinie 2022/362) trat für die Mitgliedstaaten am 25. März 2024 in Kraft — EU-Länder, die eine Lkw-Maut erheben, müssen sie an Emissionen koppeln, dürfen aber die Strenge der Umsetzung selbst wählen. Zwei Jahre später ist die Konvergenz erkennbar: Jedes große System hat entweder bereits CO₂-Klassen oder bewegt sich darauf zu.

Was das für die Disposition heißt. Die Mautkosten als Anteil an den Gesamttransportkosten sind in der EU Anfang 2026 spürbar gestiegen. Wie stark, hängt vom Routenmix ab — aber auf einer Stammrelation wie Berlin–Warschau oder Hamburg–Budapest ist die Größenordnung groß genug, dass das Wiederaufschnüren von 2025er Festpreisverträgen sich lohnt.

Schnellüberblick — Mautsysteme nach Land

Die Tabelle unten fasst die Mautpflicht in den wichtigsten EU-Ländern zusammen. Detaillierte 2026er Tarifmatrizen, Zahlungsmechaniken und betreiberspezifische Hinweise stehen in den verlinkten länderspezifischen IMPARGO-Leitfäden.

LandSystemSchwelleMethode2026-Highlight
DeutschlandToll Collect3,5 tStrecke, GNSSZEV-Befreiung bis 30. Juni 2031
ÖsterreichASFINAG GO-Maut3,5 tStrecke, DSRC+10–13 % ab 1. Jan.; ZEV 75 % bis 2030
UngarnHU-GO3,5 tStrecke, GNSS+35 % kumuliert bis Frühjahr; Juli-Erweiterung
Polene-TOLL3,5 tStrecke, GNSS+40–42 % ab 1. Feb. — schärfste Anhebung der EU
FrankreichKonzession (sanef, APRR, AREA, SAPN…)3,5 tGeschlossenes System + EETS-Box~+0,87 % Indexierung ab 1. Feb.
ItalienKonzession (Autostrade)N/AGeschlossen + TelepassJährliche Konzessions-Indexierung
SchweizLSVA3,5 tStrecke, OBULSVA-3 in Kraft; alle Straßen
BelgienViapass3,5 tStrecke, OBURegionale Indexierung
NiederlandeVrachtwagenheffing (neu)3,5 tStrecke, GNSSStart 1. Juli 2026 — ersetzt Eurovignette
Lux / Dk / SweEurovignette (zeitbasiert)12 tVignette tages-/wochen-/monats-/jahresweiseEurovignette läuft für Nicht-NL-Mitglieder weiter
TschechienMýtoCZ3,5 tStrecke, DSRCCO₂-Klassen seit März 2024 weiter in Kraft
RumänienRovinieta → TollRo3,5 tVignette → streckenbezogenTollRo startet 1. Juli 2026

Deutschland — Toll Collect

Die deutsche Lkw-Maut erhebt Toll Collect als vierteilige Kilometergebühr auf Autobahnen und Bundesstraßen: Infrastruktur, Luftverschmutzung, Lärm und CO₂. Die CO₂-Komponente kam am 1. Dezember 2023 hinzu; die Mautgrenze sank am 1. Juli 2024 von 7,5 t auf 3,5 t. Ein 5-achsiger EURO-6-Sattelzug zahlt in CO₂-Klasse 1 rund 34,8 ct/km — das sind etwa 34.800 € pro Jahr und Lkw bei einer Jahreslaufleistung von 100.000 km. Die Vierte Gesetz zur Änderung mautrechtlicher Vorschriften vom 1. Dezember 2025 verlängerte die Mautbefreiung für emissionsfreie Fahrzeuge bis zum 30. Juni 2031.

Für die aktuelle Tarifmatrix, Details zur ZEV-Befreiung und die Anfang 2026 eingeführte TollNow-App lesen Sie Toll Collect Mautsätze und CO₂-Abgabe.

Österreich — ASFINAG GO-Maut

Die GO-Maut gilt ab 3,5 t auf allen Autobahnen und Schnellstraßen. Die Reform 2026 hob die Kilometersätze um rund +10–13 % an und behielt den 75-%-ZEV-Rabatt auf die Infrastrukturkomponente bis 2030. Sondermautstrecken bestehen auf dem A12/A13-Brenner-Korridor (mit bis zu +25 % Brennerbasistunnel-Zuschlag), A10 Tauern, A11 Karawanken, A9 Bosruck und Gleinalm sowie S16 Arlberg.

Für die 2026er Tariftabellen und Reformkontext lesen Sie Lkw-Maut Österreich 2026: GO-Box-Tarife & Reform. Für die praktische Bezahl- und Vollzugsseite (Ersatzmaut-Höhen, USt.-Rückerstattung für ausländische Frächter, GO-Box vs EETS-Box) siehe Lkw-Maut Österreich: Bezahlen, Ersatzmaut & Kontrolle.

Ungarn — HU-GO

HU-GO gilt ab 3,5 t auf Autobahnen, Schnellstraßen und ausgewählten Hauptstraßen. Die Reform 2026 brachte eine zweistufige Erhöhung: +4,3 % zum 1. Januar, weiterer Schritt zum 1. März, kumuliert rund +35 % gegenüber 2025. Verordnung 375/2025 erhöhte die Bußgelder im ersten Zeitband für die Kategorien J2–J5. Das Mautnetz wird zum 1. Juli 2026 um neue Abschnitte auf der M6, M44 und mehreren Hauptstraßen erweitert.

Für die HU-GO-Mautkomponenten, OBU vs Streckenticket vs EETS, Bußgelder nach Verordnung 410/2007 und das 27-%-USt.-Rückerstattungsverfahren für ausländische Frächter lesen Sie Lkw-Maut Ungarn 2026: Tarife, Bußgelder & Rechner.

Polen — e-TOLL

Das polnische e-TOLL gilt ab 3,5 t auf Autobahnen, Schnellstraßen und ausgewählten Nationalstraßen unter GDDKiA. Die Reform 2026 brachte die stärkste Einzelanhebung in einem großen europäischen Mautsystem — eine Indexierung von 4–6,6 % zum 1. Januar, gefolgt von +40–42 % zum 1. Februar, kumuliert +45–48 % gegenüber 2025. Das mautpflichtige Netz wuchs auf rund 5.869 km einschließlich neu mautpflichtiger A2-Abschnitte. Die Regeln zur Dokumenteneinreichung ändern sich zum 1. April 2026.

Für die Tarifkomponenten, OBU vs ELS vs e-TOLL-App vs EETS-Box und das 23-%-USt.-Rückerstattungsverfahren lesen Sie Lkw-Maut Polen 2026: e-TOLL Tarife & Rechner.

Frankreich — Konzessionsnetz

Die französische Autobahnmaut wird von privaten Konzessionären erhoben — sanef, APRR, AREA, SAPN, ASF, Escota, ATMB — die jeweils geschlossene Autobahnabschnitte mit jährlichen Tarifanpassungen betreiben. Die Indexierung 2026 lag bei rund +0,87 % zum 1. Februar. Frankreich hat noch keine separate CO₂-basierte Lkw-Maut eingeführt; die Achsklassifizierung (Klassen 1 bis 4) bleibt zusammen mit Fahrzeughöhe und konzessionsspezifischen Tarifen die maßgebliche Variable. EETS-Boxen (DKV, eurotoll, Telepass, Toll4Europe) decken alle großen Konzessionäre ab.

Operativ relevante Sondermauten: Mont-Blanc-Tunnel (F/I), Fréjus-Tunnel (F/I), Viaduc de Millau, Brücke Île de Ré, Duplex-A86-Tunnel, Tunnel Prado-Carénage/Sud (Marseille).

Italien — Konzessionsnetz

Italien nutzt ein geschlossenes Konzessionsmodell ähnlich Frankreich, hauptsächlich betrieben von Autostrade per l'Italia plus einigen regionalen Konzessionen. Telepass ist das dominierende elektronische Zahlungsmittel für Lkw-Betreiber in Italien und wurde schrittweise mit grenzüberschreitenden EETS-Anbietern integriert. Die Mautberechnung erfolgt nach Strecke, Achszahl und konzessionsspezifischen Tarifen; jährliche Indexierung gemäß Konzessionsvertrag.

Grenzüberschreitende Alpentunnel (Mont Blanc, Fréjus, Brenner — letzterer auf österreichischer Seite) tragen erhebliche Sondermautzuschläge, die in die Italien-Routenplanung einfließen sollten.

Schweiz und Liechtenstein — LSVA

Die Schweizer Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) gilt ab 3,5 t auf allen Straßen im Land — nicht nur auf Autobahnen. Liechtenstein folgt dem gleichen Regime. Die Berechnung erfolgt pro Kilometer auf Basis von Gewicht, EURO-Schadstoffklasse und LSVA-3-Tariftabelle. Zur Messung dient eine OBU. Der Munt-La-Schera-Tunnel ins Engadin bleibt eine separate Konzessionsmaut.

Für die LSVA-3-Tarifmatrix und den operativen Leitfaden lesen Sie LSVA-3 Schweiz Lkw-Maut 2026.

Niederlande — Vrachtwagenheffing ersetzt Eurovignette

Zum 1. Juli 2026 ersetzen die Niederlande die jährliche Eurovignette durch die Vrachtwagenheffing — eine streckenbezogene Kilometermaut auf Autobahnen und ausgewählten Provinzstraßen. Mautgrenze: 3,5 t. Der Wechsel verlagert die Kosten von einer festen Jahrespauschale zu Kosten pro Fahrt — was Wenignutzer entlastet (weniger NL-Kilometer = geringere Gesamtkosten) und Vielnutzer stärker belastet (Hochvolumen-Operatoren sehen höhere Gesamtbelastung als bei der pauschalen Eurovignette).

Wer regelmäßige Niederlande-Verkehre fährt, sollte 2025-Verträge, die mit der jährlichen Eurovignette kalkuliert wurden, neu aushandeln — die Vrachtwagenheffing schlägt bei einigen davon spürbar zu.

Luxemburg, Dänemark, Schweden — Eurovignette (zeitbasiert)

Für die verbleibenden Eurovignetten-Mitglieder — Luxemburg, Dänemark und Schweden — gilt weiterhin die zeitbasierte Vignette für Lkw über 12 t auf Autobahnen und Schnellstraßen. Die Vignette wird für einen Tag, eine Woche, einen Monat oder ein Jahr erworben und ist in allen teilnehmenden Ländern gültig. Die Niederlande verlassen das Schema zum 1. Juli 2026; die anderen bleiben.

Wichtige Sondermauten in dieser Region: Westerscheldetunnel (NL), Storebæltsbroen (DK) und Øresundsbron (DK/SE-Brückenverbindung).

Belgien — Viapass

Belgiens Viapass-System gilt ab 3,5 t in Flandern, Wallonien und Brüssel. Die Berechnung erfolgt pro Kilometer per OBU auf Basis von zulässiger Gesamtmasse und Schadstoffklasse. Der Liefkenshoektunnel (Antwerpen) trägt eine separate Konzessionsmaut.

Tschechien — MýtoCZ

Das tschechische System gilt ab 3,5 t und nutzt eine CO₂-Emissionsklassen-Matrix (fünf Klassen) gekreuzt mit Achszahl und Straßentyp, im Einklang mit der Änderung der Eurovignetten-Richtlinie, die ab März 2024 in Kraft trat. Die Mauterhebung erfolgt per DSRC-Mikrowellen-Technologie; OBU-Registrierung ist Pflicht.

Für operative Hinweise und Tarifleitlinien zu Tschechien siehe Lkw-Maut Tschechien (EN-Fallback).

Rumänien — TollRo ab 1. Juli 2026

Rumänien startet TollRo zum 1. Juli 2026 — ein neues streckenbezogenes Lkw-Mautsystem, das die pauschale Rovinieta für Lkw über 3,5 t ersetzt. Die Rovinieta läuft für Fahrzeuge unter 3,5 t und für Pkw weiter. Für Rumänien-Routen ist das eine strukturelle Änderung: Planungen, die auf der Pauschal-Vignetten-Ökonomie aufbauten, müssen ab Juli die kilometerabhängigen Kosten abbilden.

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Was das für die europäische Routenplanung 2026 heißt

Drei Muster liegen über den länderspezifischen Details:

  • Die CO₂-Spreizung ist in mehr Ländern wirtschaftlich spürbar. Deutschland hat seit Dezember 2023 eine separate CO₂-Komponente; Österreich, Ungarn, Polen, Belgien, Tschechien und andere haben Varianten, in denen die EURO-Klasse — und sofern verfügbar die CO₂-Klasse — deutliche Tarifunterschiede erzeugt. Die Flottenerneuerungs-Ökonomie verschiebt sich entsprechend.
  • 2025-Verträge mit alten Tarifen sind heute meist in den roten Zahlen. Wer Kundentarife gegen 2025er Polen- oder Ungarn-Mautwerte fixiert hat, verliert auf jeder Fahrt Marge. Nachverhandlung ist die einzige Lösung.
  • EETS-Box-Adoption ist die günstigste operative Verbesserung. Ein Gerät, das 8+ Länder abdeckt, schlägt das Management mehrerer länderspezifischer OBUs für jeden Frachtführer, der mehrere Mautdomänen befährt. DKV, eurotoll, Telepass und Toll4Europe decken die großen Systeme ab.

Für die routenweise Sicht, die diese strukturellen Verschiebungen in Kundenangebote und Disponentenvergleiche einfließen lässt, siehe die oben verlinkten länderspezifischen IMPARGO-Leitfäden — und das Planner Module, das diese automatisch berechnet.


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