Das IMPARGO-Glossar für Transport und Logistik

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HS-Code: Aufbau, KN, TARIC und Warennummer erklärt

Der HS-Code ist die international einheitliche, sechsstellige Nummer, mit der eine Ware für Zoll und Handelsstatistik eingereiht wird. HS steht für das Harmonisierte System zur Bezeichnung und Codierung der Waren, das die Weltzollorganisation (WZO) pflegt. Mehr als 200 Länder und Wirtschaftsräume wenden es an, und über 98 Prozent der international gehandelten Waren werden danach eingereiht. Der Code entscheidet mit darüber, welcher Zoll fällig wird, ob eine Präferenz greift und ob für die Ware Verbote oder Beschränkungen gelten.

So ist der HS-Code aufgebaut

Der Aufbau der sechs Stellen verläuft von links nach rechts vom Groben zum Feinen: Die ersten zwei Ziffern nennen das Kapitel, die nächsten zwei die Position und die letzten zwei die Unterposition. Ein Beispiel, das auf fast jedem Lkw mitfährt, sind Holzpaletten:

  • Kapitel 44: Holz und Holzwaren; Holzkohle
  • Position 4415: unter anderem Kisten, Kabeltrommeln, Flachpaletten, Boxpaletten und andere Ladungsträger, aus Holz
  • Unterposition 4415 20: Flachpaletten, Boxpaletten und andere Ladungsträger; Palettenaufsatzwände

Eingereiht wird nach dem, was die Ware ist und wofür sie gebaut ist, nicht nach ihrem Handelsnamen. Die WZO überarbeitet das System alle fünf bis sechs Jahre. Die nächste Ausgabe, HS 2028, tritt am 1. Januar 2028 in Kraft.

Nach der sechsten Stelle: KN, TARIC und Codenummer

Bis zur sechsten Stelle ist der Code weltweit gleich. Danach hängt jedes Land oder jede Zollunion eigene Stellen an. Für Waren, die über eine Grenze der EU gehen, sieht die Kette so aus:

  • 8 Stellen, Kombinierte Nomenklatur (KN): Die EU ergänzt die Stellen 7 und 8. Diese Warennummer reicht in Deutschland für die Ausfuhranmeldung, und dieselbe Nummer wird als achtstellige Intrastat-Warennummer für Lieferungen innerhalb der EU gemeldet. Für Holz-Flachpaletten lautet sie 4415 20 20.
  • 10 Stellen, TARIC: Die Stellen 9 und 10 bilden Maßnahmen der EU ab, etwa Antidumpingzölle, Zollaussetzungen oder Zollkontingente.
  • 11 Stellen, Codenummer: Die elfte Stelle nutzt Deutschland für nationale Zwecke. In einer Einfuhranmeldung ist immer die elfstellige Codenummer anzugeben.

Die KN wird in der Regel jedes Jahr zum 1. Januar geändert. Das Statistische Bundesamt gibt dazu jährlich das Warenverzeichnis für die Außenhandelsstatistik heraus, und für Meldungen eines Jahres gilt nur dessen Ausgabe. Eine Übersicht, wie viele Stellen der Warencode für Ausfuhr, Intrastat und Einfuhr braucht, finden Sie im eigenen Eintrag.

Wo der HS-Code in den Papieren steht

Der Code gehört auf die Handels- und Zollseite einer Sendung: Er steht in der Zollanmeldung und meist auch auf Handelsrechnung und Packliste. Kein Pflichtfeld ist er dagegen auf dem CMR-Frachtbrief, dem Begleitpapier im internationalen Straßengüterverkehr. Nach Art. 6 CMR verlangt der Frachtbrief die übliche Bezeichnung der Art des Gutes und die Art der Verpackung. Die Parteien dürfen weitere Angaben eintragen, deshalb verlangen manche Auftraggeber die Warennummer zusätzlich.

Ihr Kunde will die Warennummer auf jedem Auftrag sehen? Legen Sie im Orders Module ein benutzerdefiniertes Pflichtfeld dafür an: Auf Wunsch steht die Nummer dann auch auf dem Auftrags-PDF und beim Fahrer in der DriverApp. Warennummer als Pflichtfeld anlegen

Für die Zollpapiere selbst ist der Absender zuständig: Nach Art. 11 CMR muss er dem Frachtbrief die Urkunden für die Zollbehandlung beigeben, und der Frachtführer muss nicht prüfen, ob sie richtig und vollständig sind.

Was in der Praxis schiefgeht

  • Nummer aus dem Ausland übernommen: Die ersten sechs Stellen gelten überall, die Stellen danach nicht. Eine achtstellige Nummer aus einem Drittland ist keine KN-Nummer.
  • Veraltete Nummer: Die KN ändert sich jährlich, das HS alle fünf bis sechs Jahre. Eine Stammdatenliste, die nie geprüft wird, enthält irgendwann Nummern, die es nicht mehr gibt.
  • Produkt geändert, Nummer nicht: Anderes Material oder ein anderer Montagezustand kann eine Ware in eine andere Position verschieben, während die Artikelnummer gleich bleibt.
  • Beschreibungen widersprechen sich: Nennt der Frachtbrief andere Waren als die Zollanmeldung, muss der Unterschied erklärt werden, bevor die Sendung weiterfährt.

Wer bei einer Ware unsicher ist, kann beim Zoll eine verbindliche Zolltarifauskunft (vZTA) beantragen. Sie gilt höchstens drei Jahre und bindet Zoll und Inhaber an die Einreihung der Ware, nicht an einen bestimmten Zollsatz.

Der HS-Code im Alltag von Disponent und Frachtführer

Für die Richtigkeit der Angaben in einer Zollanmeldung ist verantwortlich, wer sie abgibt: meist Exporteur, Importeur oder deren Zollvertreter. Der Frachtführer reiht keine Ware ein. Trotzdem landet der Code bei ihm, sobald eine Tour über eine Außengrenze der EU führt, etwa in die Schweiz oder nach Großbritannien. Fehlt dort ein Papier oder passt die Beschreibung nicht zur Ladung, steht zuerst der Fahrer an der Grenze, und mit ihm Lkw, Termin und Folgetour.

Sinnvoll ist deshalb, schon bei der Auftragsannahme festzuhalten, wer die Zollanmeldung macht, welche Papiere mitfahren und welche Warenbeschreibung auf dem Frachtbrief steht. Wer Transportaufträge mit allen Ladungsdaten an einem Ort erfasst, hat diese Angaben griffbereit, wenn die Grenze nachfragt, statt sie per Telefon beim Kunden zusammenzusuchen.


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